1. Mai 2026 /

Lucia van Heesch

Autorin des Monats – Antonia Vitz

Beitragsbild mit Foto von Antonia Vitz als Autorin des Monats im Mai

Antonia Vitz ist unsere Autorin des Monats Mai. Sie begeistert ihre Leser*innen mit bayerischen Komödien und ihrem dunklen Humor. Im Interview erzählt Antonia davon, wie sie Humor mit unschuldigen Alltagsmomenten und ernsten Themen verbindet, was für sie Humor in einem Buch ausmacht und woher sie die Inspiration für ihre unterhaltsamen Geschichten und Charaktere nimmt.


Du schreibst schwarzhumorige Provinzkomödien. Wie bist du erstmals dazu gekommen?  

Die ehrliche Antwort: aus sanftem familiären Druck. Ich habe früher unterhaltsame Artikel für kleinere Zeitungen geschrieben, aber meine Mama sah mehr Potenzial in mir. Mit erstaunlicher Ausdauer versuchte sie, mich davon zu überzeugen, ein Buch zu schreiben. Um ihr eine Freude zu machen, wollte ich ihr zum Geburtstag eine kurze Geschichte schenken. Doch aus 30 Seiten wurden schnell siebzig, dann hundert und am Ende ein ganzer Roman. 

Und dann kam das berühmte Quäntchen Glück hinzu: 2018 war ich auf der Frankfurter Buchmesse verzweifelt auf der Suche nach Kaffee und bin dabei mit einer Lektorin ins Gespräch gekommen. Meine Plotidee – eine ältere Dame verteilt unwissend Cannabis als Beruhigungstee im Dorf – und mein Schreibstil haben ihr so gut gefallen, dass sie mir einen Verlagsvertrag anbot. Ich habe sofort zugesagt. Bis heute bin ich meiner Mama und ihr dankbar, dass sie an mich geglaubt haben. Als dann die ersten Rückmeldungen der Leserinnen und Leser kamen, habe ich meinen Job gekündigt – aus heutiger Sicht ein Wahnsinn – und nenne mich seitdem Autorin. 

Woher kommt deine Inspiration für deine Geschichten, Charaktere und deinen Humor?  

Ich muss gestehen, dass ich mich schamlos aus dem echten Leben bediene. Dort gibt es alles, was man für gute Geschichten braucht, im Überfluss. Vieles von dem, was ich schreibe, könnte genau so passieren oder ist tatsächlich so passiert. Die Grenzen sind fließend. Wenn man genau hinschaut, sind es oft die alltäglichen, bekannten Dinge, die humorvolle Unterhaltungsliteratur ausmachen. Der verzweifelte Versuch, in der Vorweihnachtszeit besinnlich zu sein. Die Balance zwischen Job, Familie und der Pflege der Großeltern. Ein neuer Nachbar, der so ganz anders ist, als man selbst.  

Ich greife Themen auf, die viele kennen, würze sie mit dem trockenen Humor, den ich von meiner Mama geerbt habe, und lasse einen kritischen Gedanken einfließen. In meinem neuen Roman „Wenn das die Nachbarn wüssten“ stellt sich zum Beispiel die Frage: Wie sehr sollte man sich verbiegen, um zu gefallen? Und bin ich tatsächlich so offen anderen gegenüber, wie ich denke? 

Humor ist ja häufig auch sehr subjektiv. Wonach entscheidest du, welche Art von Humor in deine Bücher reinpasst? 

Humor ist extrem vielfältig, und das ist auch gut so. Nicht jeder kann mit meinen Büchern etwas anfangen, genauso wenig wie ich mit jedem Buch etwas anfangen kann. Für mich ist entscheidend, dass sich der Humor natürlich anfühlt und zum Ton der Geschichte passt. Ich mag es, wenn er schnell funktioniert, ohne lange Anläufe, ohne Erklärung. Wenn man einen Witz erklären muss, ist er meistens schon verloren. Im besten Fall entsteht beim Lesen sofort ein Bild im Kopf, alles andere wirkt schnell gekünstelt. Er darf dabei auch mal grenzwertig sein, aber niemals grenzüberschreitend oder auf Kosten anderer. 

Hinter deinem Humor steckt auch ein Fünkchen gesellschaftliche Kritik. Worauf achtest du besonders, wenn du ernste Themen mit Komik verbindest? 

Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen: Ernste Themen und Humor. Doch genau deshalb arbeite ich so gerne damit. 

Wir leben in einer Zeit, in der wir mit negativen Nachrichten überflutet werden. Da braucht es nicht noch mehr erhobene Zeigefinger. Ich möchte Geschichten erzählen, die unterhalten, ein Lächeln auslösen und dennoch nicht an der Oberfläche bleiben, sondern zum Nachdenken anregen. Humor gibt mir die Möglichkeit, auch schwere Themen anzusprechen, ohne sie schwer wirken zu lassen. 

In Servus Aleikum zum Beispiel verbirgt sich hinter einem chaotischen Campingurlaub das Thema Alltagsrassismus. In Geschenktipp stellen sich Franzi und Sepp der Frage: SmartHome und KI – Fluch oder Segen?  

Am Ende sollen meine Leserinnen und Leser vor allem eine gute Zeit haben. Und wenn sie danach noch ein bisschen weiterdenken, ist das der schönste Nebeneffekt. 

In deiner Franzi-Reihe sorgt vor allem Rentner Sepp für reichlich Chaos. Wie entsteht so eine Figur und steckt vielleicht auch ein bisschen echte Inspiration dahinter? 

„Jeder hat einen Sepp daheim.“ Diese Aussage kommt nicht von mir, sondern von meinen Leserinnen und Lesern. Und darin steckt auch schon das ganze Geheimnis. Ich nehme typische Eigenheiten und Charakterzüge aus dem echten Leben und bündle sie in meinen Figuren.  

Eine Leserin hat einmal geschrieben: „Im echten Leben hätte ich Sepp spätestens auf Seite drei aus dem Haus geworfen.“ Das trifft es ziemlich gut. Im Alltag möchte man so jemanden wie den Sepp nicht unbedingt um sich haben, aber im Roman wird genau das zur Unterhaltung. Man kann darüber lachen. Vielleicht auch deshalb, weil man Parallelen zum eigenen Vater, zur Tante oder zum Nachbarn erkennt.  

Genau darum geht es mir: Menschen mit Humor zu nehmen, statt über sie zu granteln, macht das Leben schöner, leichter und lebenswerter. 

Warum hast du dich für tolino media entschieden? 

Das hat vermutlich mit meinem früheren Job im Projektmanagement zu tun. Dort habe ich vor allem eines gelernt: Risiken zu streuen. Als Selfpublisherin nur von einem großen Anbieter abhängig zu sein, hat sich für mich irgendwann nicht mehr richtig angefühlt. Außerdem erreichen meine Bücher über tolino media deutlich mehr Leserinnen und Leser, was für mich am Ende entscheidend ist. 

Als ich zu tolino media gekommen bin, habe ich mich ziemlich schnell gefragt, warum ich diesen Schritt nicht schon viel früher gegangen bin. Hier arbeiten Menschen mit Herz, die Zusammenarbeit ist persönlich, direkt und unkompliziert.  

Ich freue mich sehr, dass ich als Autorin des Monats Mai bei tolino media und den IndieWelten die Möglichkeit bekomme, mich und meine Bücher vorzustellen. Vielen herzlichen Dank an das tolino media-Team. 

Weitere Informationen zu unserer Autorin des Monats, Antonia Vitz, findet ihr auf Instagram, Facebook, YouTube und auf der Homepage.

Hier findet ihr unsere Autorin des Monats April: Lotte Römer.

Geschrieben von

Lucia van Heesch

Lucia van Heesch studiert Englische Literaturen und Kulturen im Master und arbeitet bei tolino media als Werkstudentin. Außerhalb der Arbeit findet man sie viel in den Universitätsbibliotheken, im Kino oder mit einem guten Buch eingemummelt auf der Couch.

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