1. August 2026 /

Luise Finsterbusch

Autorin des Monats — Catherine Strefford

Beitragsbild mit Foto von Catherine Strefford als Autorin des Monats im August

Catherine Strefford ist unsere Autorin des Monats August. Mit ihren Geschichten möchte sie das für andere schaffen, was ihr selbst als Jugendliche gefehlt hat: einen Raum, der Zuflucht bietet und dabei das wärmende Gefühl vermittelt, gesehen zu werden. Im Interview erzählt sie uns, wie sich die Idee zu ihrem neusten Projekt entwickelt hat, warum bereits kleine Nuancen Charaktere greifbarer machen können, und welche Erfahrungen sie bei der Leipziger Buchmesse auf Aussteller*innen-Seite sammeln konnte.


Viele deiner Leser*innen schätzen insbesondere die gefühlvoll vermittelten Perspektiven so unterschiedlicher Charaktere. Wie entstehen deine Buchheld*innen – wie schaffst du es, dass sie so nahbar wirken?

Ich denke, wir alle versuchen, irgendwie unseren Platz in der großen Masse zu finden, ohne besonders aufzufallen. Reinzupassen und irgendwie dazuzugehören. Aber jede*r von uns hat diese kleinen Eigenarten, die uns ausmachen, die uns abheben lassen von der Masse – ob wir das wollen oder nicht – und genau so etwas versuche ich auch immer bei meinen Figuren zu schaffen. Ich glaube, ich bin ganz gut darin, feine Nuancen hervorzuheben und so eine Nahbarkeit zu schaffen, bei der man sich irgendwie gesehen und wohl fühlt.

Wer hier jetzt aber eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erwartet, den muss ich enttäuschen, denn wie bei fast allem, was ich tue, folge ich da einfach meinem Gefühl. Keine Charakterbögen, die ich ausfülle, keine Schreibübungen, die ich im Vorfeld absolviere. Einfach nur furchtloses „Wird schon schief gehen!“ und drauflos schreiben.

Auf deinem Blog erwähnst du, dass die Betonung bei deinem neuen New-Adult-Titel „Heartfelt – How to make a mixtape“ insbesondere auf dem Aspekt “Adult” liegt. Was waren deine Gedanken hierzu? Wie hat sich die Idee zur neuen Geschichte geformt?

Vorwiegend schreibe ich ja Bücher für Jugendliche und junge Erwachsene. Dass es gerade im New-Adult- und sogar im Young-Adult-Bereich aber so viele Bücher mit expliziten Szenen gibt, fand ich immer schon etwas befremdlich. Aufklärung und das Aufzeigen weiblicher Lust sind richtig und wichtig, ich persönlich fühle mich aber nicht wohl dabei Sexszenen zwischen Teenagern zu schreiben. Daher war für mich ganz klar, dass wenn ich ein Buch schreibe, das explizite Szenen beinhaltet, alle Figuren volljährig sind. Letztlich habe ich gemerkt, dass Volljährigkeit aber noch nicht genug ist und mich gleichzeitig gefragt, warum es so wenige Bücher auf dem Markt gibt, deren Protagonisten Mitte/Ende dreißig sind. Mitten im Leben stehend, wissend was sie wollen, ergeben sich so ganz andere Dynamiken, was ich spannend fand.

Bisher war es bei meinen Büchern immer so, dass sich die Geschichte durch eine oder mehrere Figuren oder Szenen ergeben haben, die ich im Kopf hatte. Bei Heartfelt war es das erste Mal, dass ich wusste, was mein Genre sein soll (Romance mit erwachsenen Figuren), aber ich gar keine Idee für eine Geschichte oder die Figuren selbst hatte. Ich habe monatelang darüber nachgedacht, aber nichts konnte mich so richtig begeistern, bis ich dann einen Traum hatte, der die Frage aufgeworfen hat: Was, wenn sich eine Person in jemanden verliebt, der in einer gesunden Ehe steckt? Und diese verheiratete Person merkt, dass sie sich ebenfalls verliebt hat, aber auch ihre Partnerperson noch immer sehr liebt. Was, wenn man sich nicht zwischen zwei Personen entscheiden muss, sondern einen Weg findet, zu dritt glücklich zu werden? Aus diesen Überlegungen ist dann Heartfelt entstanden.

Welche Rolle bzw. Bedeutung schreibst du Büchern zu, wenn es darum geht, die eigene Identität etwas besser kennenzulernen?

Bücher und andere Medien haben da meiner Meinung nach eine sehr hohe Bedeutung. Zum einen ist es wichtig, sich gesehen zu fühlen, zum anderen ist es wichtig andere Realitäten und Lebensweisen kennenzulernen, um überhaupt herausfinden zu können, wo genau man selbst eigentlich hingehört. Es heißt nicht umsonst, dass Bücher Türen in neue Welten eröffnen und damit müssen eben nicht immer nur fantasievolle Welten mit Drachen oder in weit entfernten Galaxien gemeint sein. Man kann sich im eigenen Tempo im geschützten Raum mit Thematiken auseinandersetzen, die einem auf dem Herzen liegen und sich so auch mit sich selbst und den eigenen Gefühlen zu einer Sache auseinandersetzen.

Wie “strikt” plottest du deine Bücher? Hattest du auch schon Charaktere, die sich verselbstständigt haben – oder Plot-Twists, die du selbst nicht hast kommen sehen?

Ich plotte sehr locker. Ich kenne in der Regel meinen Anfang und mein Ende und habe einen losen roten Faden, dem ich versuche zu folgen. Es kommt aber immer wieder vor, dass sich meine Figuren verselbstständigen und mir zeigen, dass da noch etwas anderes erzählt werden will oder muss, um die Geschichte zu vervollständigen. In der Regel folge ich ihnen, weil sie ihre Geschichte ja am besten kennen.

Das ist ein Aspekt des Schreibens, der immer sehr schwer zu verstehen ist, für Leute, die selbst nicht schreiben. Wie kann sich eine deiner Figuren verselbstständigen, du schreibst sie doch? Ich glaube es lässt sich ganz gut vergleichen mit einem Keller oder einem Dachboden, wo man lange nicht war. Das Licht ist ausgefallen und man hat nur eine schwachleuchtende Taschenlampe. Eigentlich weiß man, wo die Kiste stehen sollte, die man sucht, aber weil man so lange nicht dort war, stößt man sich trotzdem mal den kleinen Zeh an oder findet etwas wieder, von dem man gar nicht mehr wusste, dass es noch existiert.

Wenn du eine Sache am aktuellen Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Weg vom Einheitsbrei. Sorry to say, aber auch wenn es wirtschaftlich gesehen eine sichere Bank sein mag, immer dieselben Geschichten zu veröffentlichen, macht es in meinen Augen den Buchmarkt kaputt, wenn dadurch innovative, überraschende, verrückte Ideen keinen Platz mehr bekommen. Gleichförmigkeit tötet Entwicklung und das finde ich sehr, sehr schade.

Du warst dieses Jahr als Ausstellerin auf der Leipziger Buchmesse. Welche Erfahrungen konntest du sammeln? Wann würdest du es empfehlen, wann vielleicht auch nicht?

Alles in allem war die Leipziger Buchmesse eine ganz tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich habe die Zeit mit meinen Standkolleginnen sehr genossen, habe viele liebe Menschen getroffen und wirklich tolle Gespräche geführt. Dennoch war es auch unglaublich viel Vorbereitung und Stress, von den Kosten ganz zu schweigen. Wer auf so einer großen Publikumsmesse ausstellen möchte, muss definitiv große Lust darauf haben. Ich kann nicht empfehlen dieser Idee halbherzig nachzugehen, dafür investiert man einfach zu viel. Man muss definitiv bereit sein eine Menge Geld auszugeben und es muss einem bewusst sein, dass man dieses im schlimmsten Fall nicht wieder einnimmt. Aber alle, die Lust haben die Leipziger Buchmesse als Aussteller*in zu erleben, bereit sind Zeit und Geld zu investieren und sich ein cooles Konzept zu überlegen, die werden ganz bestimmt eine gute Zeit haben.

Warum hast du dich für tolino media entschieden?

Ich war schon immer für die Underdogs und tolino media war 2019, als ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, der einzige E-Book-Anbieter neben dem großen Konkurrenten. Und nach zwei unschönen Erfahrungen mit anderen Anbietern, bin ich froh, dass ich mittlerweile auch meine Prints über tolino media anbieten kann. Ich habe das Team von tolino media immer als sehr kompetent und kundenorientiert kennengelernt. Fragen werden schnell und freundlich beantwortet, für Probleme werden Lösungen gesucht. Alles in allem eine schöne Erfahrung mit einem sympathischen Team, so wie es als Kundin meiner Vorstellung entspricht – ich werde als Mensch gesehen, nicht nur als Auftragsnummer.

Weitere Informationen zu unserer Autorin des Monats, Catherine Strefford, findet ihr auf Instagram, TikTok, YouTube, BlueSky und auf Pinterest.

Hier findet ihr unsere Autorin des Monats Juni: Katrina Verde.

Geschrieben von

Luise Finsterbusch

Luise Finsterbusch arbeitet aktuell als Werkstudentin bei tolino media und studiert nebenher im Master Medienpsychologie. In ihrer Freizeit verkrümelt sie sich gern mit einem guten Buch aufs Sofa und tankt Energie mit einer gesunden Portion Kaffee.

ReCaptcha

Um das Formular ausfüllen zu können, musst Du die Verwendung von Recaptcha erlauben.

Das hilft uns, SPAM zu vermeiden.
Zeige alle Services, denen du noch zustimmen musst

Ähnliche Beiträge

Melde dich für unseren Newsletter an.

Verpasse keine Neuigkeiten mehr.